Am Schweizer Ufer des Bodensees geht die Stadt Arbon neue Wege, um dem Fachkräftemangel im Nahverkehr zu begegnen. Ein Pilotprojekt namens 'Artour', ein autonom fahrender Bus, wird auf der neuen Altstadtbuslinie eingesetzt. Der Bus, bekannt als SCCL (Self-Controlled City Liner), wurde von der Technischen Gesellschaft Arbon (TGA) initiiert und hat seit seinem Start im August 2025 bereits für Furore gesorgt.
Die neue Altstadtlinie verbindet den Bahnhof Arbon mit dem Strandbad und dem Seeparksaal. Auf der 2,5 km langen Rundstrecke befinden sich neun barrierefreie Haltestellen. Mit einer Fahrgeschwindigkeit von 30 km/h benötigt der Bus für eine Runde etwa 20 bis 25 Minuten. Der Einsatz eines autonom fahrenden Busses in dieser Größenordnung ist eine Premiere in der Schweiz und ein wichtiger Schritt in Richtung Zukunft der Mobilität.
Artour basiert auf dem e-ATAK von Karsan, einem 8,3 m langen Elektrobus, der 20 Sitzplätze bietet und bis zu 50 Passagiere befördern kann. Die Technologien von Adastec für Sensorik und Steuerungselektronik spielen dabei eine zentrale Rolle, um den Fahrer zu ersetzen. Ziel ist es, dass in Zukunft mehrere Busse von einem einzigen Teleoperateur betreut werden können.
Derzeit wird Artour von Eurobus Ostschweiz betrieben, mit einem Sicherheitsfahrer an Bord. Der gesetzliche Rahmen für die Fernüberwachung wurde erst 2023 geschaffen, was die Integration dieser Technologie ins Projekt ermöglichte. Karsan und die Betreiber hoffen, dass der Bus ab Mitte 2028 komplett ohne Sicherheitsfahrer verkehren kann.
Laut Erwin Wieland vom Bundesamt für Strassen (ASTRA) sind Pilotprojekte wie Artour essentiell für die Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen und die Akzeptanz in der Bevölkerung. Diese innovativen Ansätze könnten den Öffentlichen Verkehr in der Schweiz und darüber hinaus nachhaltig verändern.