
Wasserstoff gilt in der europäischen Mobilitäts- und Energiepolitik als zentrales Zukunftsthema. Doch trotz ambitionierter Strategien und Milliarden-Fördergeldern bleibt der tatsächliche Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft hinter den Erwartungen zurück. Der Bundesrechnungshof (BRH) attestiert der deutschen Wasserstoffstrategie in seinem Oktober-2025-Bericht „Umsetzung der Wasserstoffstrategie des Bundes“ ein deutliches Abweichen vom Plan – mit gravierenden Folgen für Klima-, Industrie- und Finanzpolitik.
Deutschland: Viel Geld, wenig Nachfrage
Der BRH-Bericht zeichnet ein klares Bild: Trotz hoher staatlicher Investitionen in Milliardenhöhe – allein zwischen 2024 und 2025 flossen über 7 Mrd. Euro in Subventionen – entwickelt sich das Wasserstoffgeschäft in Deutschland nicht im erwarteten Tempo. Angebot und Nachfrage von grünem Wasserstoff bleiben deutlich hinter den Zielen zurück.
Die Bundesregierung hatte Wasserstoff als Schlüsselfaktor für die Energiewende und Klimaneutralität bis 2045 ausgerufen. Doch ohne ausreichende Nachfrage und bezahlbare Preise droht das Instrument der Dauerförderung, die ohnehin strapazierten Bundesfinanzen weiter zu belasten. Der BRH fordert daher eine grundlegende Neubewertung der Strategie und einen „Realitätscheck“ – inklusive eines Plan B, falls Wasserstoff nicht ohne Dauerhilfe wettbewerbsfähig wird.
FCEV-Omnibusse auf dem Vormarsch
Ein überraschender Lichtblick im deutschen und europäischen Verkehrssektor ist jedoch der Bereich der Brennstoffzellen-Busse (FCEV-Omnibusse):
Das zeigt: Auch wenn Wasserstoff in der Gesamtwirtschaft ins Stocken gerät, gelingt beim Busverkehr ein spürbarer Markthochlauf – wenn auch auf niedrigem absoluten Niveau und mit erheblichen Kosten.
Österreich: Wasserstoff im Tempo der Realität
Während in Deutschland der Bundesrechnungshof mahnt, steht Österreich vor einer etwas anderen Ausgangslage. Auch hier ist die Wasserstoffwirtschaft ein strategisches Leitprojekt – doch der Fokus, das Tempo und die Herausforderungen unterscheiden sich in wesentlichen Punkten.
Strategische Grundlagen und Ziele
Österreich hat bereits 2022 eine nationale Wasserstoffstrategie beschlossen, mit dem klaren Ziel, klimaneutral bis 2040 zu werden und Wasserstoff als Baustein für schwer zu dekarbonisierende Sektoren auszubauen. Der Strategie zufolge soll bis 2030 eine Elektrolysekapazität von 1 GW entstehen, eine entsprechende Infrastruktur errichtet werden und die Entwicklung von Technologien und Anwendungen vorangetrieben werden. In acht definierten Aktionsfeldern sollen Wirtschaft, Forschung und Mobilität gemeinsam vorankommen.
Ein 2024 erstellter Umsetzungsbericht zeigte, dass die meisten geplanten Maßnahmen bereits angelaufen oder teilweise umgesetzt sind – ein Hinweis darauf, dass Wien in der Strategie-Umsetzung zumindest vorankommt.
Wien und der Wasserstoff-Busbetrieb als Praxisfeld
Ein konkreter Vorteil gegenüber der deutschen Debatte: Wasserstoffbusse fahren längst im Wiener Linien-Alltag – als Teil eines emissionsfreien Stadtverkehrs. Seit Herbst 2025 sind zehn moderne Wasserstoff-E-Busse im regulären Betrieb auf Innenstadtlinien unterwegs. Diese Fahrzeuge kombinieren Batterie- und Brennstoffzellentechnologie und liefern damit einen realen Beitrag zur städtischen Klimastrategie.
Die Busse beziehen ihren grünen Wasserstoff aus einer lokalen Produktion in Wien-Simmering, wo erneuerbare Energie in Wasserstoff per Elektrolyse umgewandelt wird – ein konkretes Beispiel für eine regionale Wertschöpfungskette.
Import-Strategien und Infrastrukturprojekte
Anders als Deutschland, das den Binnenmarkt stärken will, setzt Österreich stark auf internationale Zusammenarbeit und Importstrategien. Geplant ist unter anderem der sogenannte Süd₂-Corridor: eine Pipeline-Achse, die grünen Wasserstoff aus Nordafrika über Italien nach Mitteleuropa transportieren soll – und Österreich zur zentralen Drehscheibe macht.
Auch haben Österreich und mehrere Partnerländer (u. a. Deutschland und Italien) Kooperationen zur Entwicklung von Wasserstoff-Infrastrukturen geschlossen.
Herausforderungen ähnlich, aber mit Nuancen
Doch trotz dieser Hoffnungsträger bleibt auch in Österreich der Weg steinig:
Zukunft Grünes Gas
Österreich profitiert zwar von einem strategisch günstigen Energiesystem (hoher Anteil erneuerbarer Stromproduktion, bestehende Gasnetz-Infrastruktur), doch die tatsächliche Marktdurchdringung von Wasserstoff in Mobilität und Industrie steht noch am Anfang.
Was bedeutet das für den Busverkehr?
In Deutschland sorgt der H2-Busmarkt für Wachstum – auch dank Förderung und EU-Zielen zur emissionsfreien Mobilität – selbst wenn die Gesamtstrategie Stockungen aufweist.
In Österreich sind Wasserstoffbusse ein realer Bestandteil der emissionsfreien Flottenstrategie, aber noch nicht mehr als ein ergänzendes Bausteinprojekt im Mix aus Batterie- und lokal produzierter H2-Technologie.
Beide Länder stehen vor der Herausforderung, die vorhandenen politischen Ambitionen mit wirtschaftlicher Realität, Infrastruktur-Ausbau und Nachfrage zu synchronisieren. Nur dann entsteht eine Wasserstoffwirtschaft, die nicht nur auf dem Papier glänzt, sondern auf der Straße – besonders dort, wo Busse schon heute klimafreundliche Perspektiven bieten.
Fazit: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Der Wasserstoff-Hochlauf bleibt ein Marathon mit vielen Unwägbarkeiten. Während politische Strategien und Milliarden-Fördertaschen große Ziele definieren, bleibt die tatsächliche Umsetzung in vielen Bereichen hinter den Erwartungen zurück.
Doch gerade dort, wo Busse den öffentlichen Verkehr emissionsfrei gestalten, zeigen sich Fortschritte: FCEV-Busse wachsen in Europa, und in Wien fahren Wasserstoffbusse im Linienbetrieb. Das sind keine kleinen Pilotversuche mehr – das sind greifbare Schritte in eine Zukunft, in der Mobilität nicht nur sauberer, sondern auch verlässlicher wird.