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Nutzwert großgeschrieben

Alleskönner oder Sparmobil? Der Iveco Evadys beherrscht die Basisdisziplinen für Reisebusse ziemlich perfekt – Premiumkomfort bietet er nicht.


Auf große Auftritte legt der Evadys von Iveco Bus keinen Wert. Viel mehr fährt er das, was gerade anfällt – vom Flughafentransfer bis zum Schulbus, gern auch Ausflüge und gelegentliche Reisen. Ein Allrounder im besten Sinn, wir wollen es genauer wissen.

Es ist ja wie mit der Mode, man muss nur warten können. Bei den Reisebussen haben jetzt die sogenannten „Budget“-Modelle Konjunktur. Wobei die Marketing-Spezialisten hier einen längerfristigen Trend ausmachen. Wenn überhaupt, dann sind kostengünstige Reisebusse gefragt. Konzepte, die sich für universelle Einsätze eignen, wie eben der Evadys von Iveco. Für diese These spricht auch, dass Iveco Bus den eleganten Magelys, einen hierzulande eher wenig bekannten Designer-Reisebus, nicht mehr baut und vertreibt. Volle Konzentration also aufs Budget-Revier, in dem sich die italo-französische Omnibus-Marke sehr geschickt positioniert. Im deutschsprachigen Raum hat sich Iveco Bus im Regionalgeschäft eine starke Stellung erarbeitet. Vor allem mit dem Crossway, der sich mit mittlerweile 50.000 gebauten Einheiten als Hochboden- und Low-Entry-Variante die Tabellenspitze für sich reklamiert. Auch der Evadys, ein Abkömmling dieser Baureihe, hat bereits achtbare Vertriebserfolge eingefahren. Mittlerweile wird der Evadys als Zweiachser in zwei Längen, mit 12,1 und 13 Metern, mit einflügeliger oder zweiflügeliger breiter Mitteltür angeboten. 

Ansichtssache: Uns gefällt das Evadys-Heck, sonst ist das Design eher nutzwertorientiert quaderförmig.


Statisch betrachtet

Der Name Evadys stand einst für ein eigenständiges Fahrzeugmodell, heute wird der Iveco-Reisebus auf der Plattform des Crossway gebaut. Mit mehr Kofferraum und höherem Passagierdeck, das auf 1.142 Millimeter Bodenhöhe liegt. So machen es auch andere Hersteller, die auf ihre Entwicklungskosten achten. Das Baukastenprodukt bezieht auch den Antrieb aus dem Crossway-Regal. In jedem Fall ist es ein Cursor-9-Sechszylinder, der wahlweise mit 6-Gang-Haltschaltgetriebe oder mit einem automatisierten Traxon-Getriebe kombiniert werden kann. Oder wie in unserem Fall mit einer Ecolife-Automatik, die ihre sechs Gänge ziemlich virtuos jongliert. Deren Aufpreis soll derzeit auf beinahe marginalem Niveau liegen, wir haben von 500 Euro gehört. 

Schon auf den ersten Blick ist klar: Der Evadys bleibt bodenständig, samt Dachklimagerät ragt er knapp 3,50 Meter hoch auf. Damit passt der Iveco durch viele Unterführungen, wo so mancher Wettbewerber schon passen muss. Was natürlich nicht ohne Folgen bleibt, der Kofferraum ist mit weniger als sieben Kubikmeter schon ein wenig knapp. Wer die Hecktür wählt, kann fast neun Kubikmeter Gepäck stauen, muss aber auf eine (Heck-)Toilette verzichten. Die gibt es nämlich noch nicht, wie uns der Testbegleiter beichtet, sie soll aber noch kommen. Der relativ kleinvolumige Reihensechszylinder (8,7 l Hubraum) lässt genügend Platz für die Nebenaggregate, der Klimakompressor ist motorfest montiert, seine Schwingungen werden von den Motorlagern gedämpft. Die Scheinwerfer leuchten noch mit H7-Halogenlicht, auch nicht der neueste Schrei. Aber grundsätzlich gibt es nicht viel auszusetzen am Evadys, jetzt steigen wir erst mal ein.

Gleichmäßige Stufen vorn, mit 800 Millimetern Breite fällt der Einstieg nicht zu knapp aus. Da stört auch der Reisebegleitersitz nicht, der sich schlank an die Wand schmiegt, auch nicht der Stauschrank rechts daneben. Etwas schmäler ist der Durchgang in Fahrzeugmitte, der Türflügel beansprucht hier ein paar Zentimeter des Türausschnitts. Hat man sich erst mal vorbeigeschlängelt, geht es ohne Beanstandung über sichere Trittflächen nach oben. Ergo: Selbst für gelegentliche Linieneinsätze braucht es hier die Doppeltür, um den Fahrgastfluss zu beschleunigen. 



Die Einbauten: Absolut klapperfrei

Im Innenraum ist der Evadys keiner von der plüschigen Sorte, mit gedeckten Grautönen, reinigungsfreundlichen Oberflächen und absolut klapperfreien Einbauten signalisiert er Nehmerqualitäten. Die Stehhöhe im Innengang liegt bei knappen zwei Metern, für Basketballer empfiehlt sich ein anderes Produkt. Mit 49 Sitzen plus Toilette und Miniküche erfüllt er den meistgeforderten Standard, die Spacio-Reisebestuhlung stammt aus Eigenfertigung und ist bequemer, als sie aussieht. Eben auch, weil die ausgeformten Rückenlehnen mit ausreichend Länge auch größere Fahrgäste in Ruhestellung stützen. Unser Evadys hat alles an Bord, was man so braucht. Vielleicht noch die Infotainment-Anlage mit WLAN aus der Optionsliste und genug USB-Steckdosen für Handys und Tablets, hier sollte man nicht sparen. Auf das oft kritische Eigengewicht muss hier keiner achten. Auf die Waage bringt der mit 310 Liter vollgetankte Evadys nur 13.160 Kilo, genug Reserven also für die Vollauslastung. 

Hinterm Steuer empfängt das bekannte Iveco-Cockpit mit großen aber geordneten Schaltern. Das Lenkrad dürfte gern in Höhe und Neigung weitere Verstelloptionen bieten, grundsätzlich geht es aber, wenngleich ohne handschmeichelnden Lederbezug, gut zur Hand. Auch die Bediengeräte für Klimatisierung, Infotainment und Digitacho auf der zugeneigten Konsole lassen sich gut einsehen und bearbeiten. Wobei anzumerken ist, dass der Lkw der gleichen Marke deutlich fortschrittlicher ist. Bei allen elektronischen Helfern, aber auch bei der Pedalerie. Eine Trittplatte für die moderne EBS-Betriebsbremse? Stand der Technik 1970. 

Leichtathlet im Heck: Cursor 9-Reihensechszylinder mit 8,7 l Hubraum, 400 PS und maximal 1.700 Nm Drehmoment.


Der Motor: Klein aber fein

Per Startknopf erwacht der Cursor 9, vorn hört man ihn kaum. Die „SCR-only“-Maschine hängt diensteifrig am Gas, mit dem leeren Zweiachser hat sie wenig Mühe. Auch wenn sie mit maximal 1.700 Newtonmetern nicht gerade ein Drehmomentriese ist. Dafür gibt es die vollen 400 Pferde schon ab 1.655 Touren, für einen 8,7 Liter kleinen Diesel schon bemerkenswert. Der moderne Cursor-Sechszylinder läuft weitgehend schwingungsfrei, auch im Evadys verdient er das Attribut „omnibusfein“. Und erst recht, wenn er mit einer Ecolife-Automatik (ZF) zusammenarbeiten darf. Weil beim Schalten keine Zugkraftunterbrechungen anfallen, beschleunigt der Evadys bei Bedarf schneidig. Am Berg gleicht blitzschnelles Runterschalten fehlendes Drehmoment aus, unser Iveco-Zweiachser gibt auf Berg- und Landstraßen eine starke Vorstellung. Auf der Autobahn bei Tempo 100 kurbelt der Reihensechser dann mit 1.480 Umdrehungen und nicht eben leise – die Sechsgangautomatik kommt hier mit ihren Übersetzungen an ihre Grenzen. Soviel ist sicher: Wer überwiegend Autobahnstrecken abspult, fährt besser mit dem Zwölfgang-Traxongetriebe, das im höchsten Gang geringere Dauerdrehzahlen fordert. Aber auf der Landstraße, im städtischen Umfeld und erst recht im Gebirge bietet der Ecolife-Iveco eine tolle fahraktive und sicher auch sparsame Antriebskombination. Wenngleich der Kunde dann auf einen GPS-Tempomaten verzichten muss. Und ja, die Tempomatbedienung ist noch nicht neuester Stand, der schwere Iveco-Lkw S-Way ist hier schon mehr als einen Schritt weiter. Doch auf Teilen unserer Landpartie, wo es auf das Fahrverhalten ankommt, überzeugt der Evadys auf der ganzen Linie. Mit straffer Charakteristik durcheilt er enge kurvenreiche Nebenstraßen ohne große Seitenauslage und kommt auch auf Flickenteppich-Fahrbahnen nicht ins Stolpern. Nur über harte Kanten rumpelt er gern, doch da sind zahlreiche namhafte Wettbewerber nicht besser. Geradeaus spurt der Iveco so, wie es jeder Fahrer möchte: Stoisch sicher, ohne viele Korrekturen zu verlangen.

Fürs Gepäck: Der 12-Meter-Evadys mit Mitteltür bietet mit Bordtoilette knapp 6 m³ Ladevolumen.


Auch die Fahrgäste können sich mit dem schlichten Evadys anfreunden. Mit guter Sicht durch die Seitenscheiben, ordentlichen Sitzen und ausreichender Klimatisierung, allerdings faucht die Athenia-Anlage vom Thermoking bei voller Leistungsabnahme relativ lautstark mit ihren Gebläsen. Der Evadys ist eben etwas rustikaler unterwegs: So beschallt der Antrieb vor allem das Heck lustvoll bei voller Fahrt. Der Motor nervt mit hohen Dauerdrehzahlen auf der Autobahn und die Meritor-Hinterachse mahlt und pfeift dazu im Duett. Anspruchsvolle Fahrgäste sind in der vorderen Hälfte des Evadys besser untergebracht.

Unter dem Strich

Auch wenn sich das Testerherz an schwungvollen Linien, starken Motoren und großem Hochdecker-Komfort erwärmen kann: Wer rechnet, kommt nach der Evadys-Verkostung zumindest ins Grübeln. Denn der in Tschechien gefertigte Mitteldecker beherrscht die Basis-Disziplinen aus dem FF. Mit ausreichendem Fahrgastkomfort auf Mittelstrecken, mit hervorragenden Fahreigenschaften und robuster Kondition. Er kommt ganz ohne Premium-Attitüde um die Ecke, dafür auch nicht teuer zu stehen - weder beim Einkauf noch bei den Betriebskosten. Wenn es dann noch einen busaffinen Iveco-Werkstattpartner in der Nähe gibt, bleiben kaum noch Argumente, die gegen den Evadys sprechen. 


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