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Französische Optik plus sachliche Note

Für die zu erwartende Elektrifizierungswelle bringt sich der Hersteller Iveco Bus in Stellung und schickt ein komplettes Ebus-Sortiment ins Rennen. Vorerst ist der E-Way in zwei Längen verfügbar, wir haben beide schon ausprobiert.

In Österreich hat der schicke Franzose bereits erste Duftmarken gesetzt. Im Januar in der Steiermark beim Postbus, dort musste sich der elegante Elektrobus auf ländlichem Terrain beweisen. Und wie man von dort hört, schlug sich der Iveco durchaus achtbar. Die vom Hersteller angegebene Reichweite von 300 Kilometern soll er jedenfalls packen, trotz der vielen Steigungen und unter winterlichen Bedingungen. Das macht uns neugierig, wir fragen beim Hersteller nach einem Testfahrzeug – und bekommen noch einen brandneuen Elektromidi obendrauf.

Wobei wir gestehen: Für uns ist der batterieelektrische Zwölfmeter- Iveco nicht mehr so neu. Nur sein Name, er trägt jetzt als Iveco E-Way die Herstellermarke Heuliez nur noch mit einem „by“ als Adelstitel. Und zeitgleich mit dem neuen Branding erleben wir den Iveco E-Way by Heuliez in einer neuen Konfiguration, die viele österreichische Öffi-Betriebe befriedigen dürfte.
Mit einem Bedienkonzept, das keine Rätsel aufgibt. Was uns auf den ersten Blick positiv stimmt: Breite Durchgänge, Türaußenbeleuchtung, ein durchdachtes Netz an Edelstahlhaltestangen, Untersitzheizer, die typische Stehplatzinsel, eine Klapprampe mittschiffs und vieles mehr. Gut durchdacht ist auch die fein gepolsterte hauseigene Bestuhlung vom Typ NeoCity, die mit einem cleveren Detail aufwartet: Die Sitzkante vorn als Abnutzbereich bleibt ohne Textil und lässt sich besser sauber halten. Warum? Weil mancher Fahrgast die Marotte besitzt, seine beschuhten Füße dort hochzulegen.



Neuordnung im Kompetenzzentrum
Unsere bisherigen Erfahrungen mit dem Heuliez GX 337 Elec, so hieß der Bus nämlich früher, machen uns hellhörig. Der Hersteller Heuliez, früher führte er ein beinahe unabhängiges Dasein als Premiummarke, wird im Iveco-Bus-Verbund nun  als Elektrobus-Kompetenzzentrum geführt. Die E-Way-Baureihe wird im Heuliez-Werk in Rorthais gefertigt. Die Basis bilden Niederflur-Fahrgestelle aus dem Hauptwerk Annonay, die Aufbauten werden mit Gitterrohrstrukturen aus Edelstahl und Kunststoffbeplankung ausgeführt. Das E-Way-Portfolio umfasst Midis in den Längen 9,5 und 10,7 Metern, dazu die Volumentypen mit 12 und 18 Metern. Und bezüglich der Lademethode ist der E-Way ziemlich flexibel: So wie er hier steht, ist er ein Depotlader, kann aber optional auch mit beiden Pantografen-Lösungen bestückt werden. Wir steigen ein und klemmen uns gleich mal hinters Lenkrad. Über zwei Stufen geht es nach oben, der E-Way-Chauffeur thront ziemlich erhaben über dem Verkehrsgeschehen und auf Augenhöhe mit den Fahrgästen. Die Übersicht ist prima, auch die Einfachheit des VDV-Cockpits (von Actia), hier gilt wirklich plug and play und verdient Extralob. Zwei Kombiinstrumente zeigen an, was man wissen muss, die Geschwindigkeit und den Lastzustand des Antriebs. Wieviel Batterieleistung
fordert das Beschleunigen? Und wie viel Energie wird beim Bremsen zurückgespeist? Zuerst den Hochvolt-Hauptschalter rechts hinter der Eckklappe aktivieren, dann die Zündung an und warten, bis im Mittendisplay ein EV Ready erscheint. Jetzt darf der Motor zugeschaltet werden – und wir hören erstmal nichts. Auch nicht viel mehr, wenn sich der E-Way in Bewegung setzt. Das Thema HLK (Heizung, Lüftung, Klimaanlage) löst der Hersteller Iveco denkbar einfach. Geheizt und gekühlt wird elektrisch, bei tiefen Temperaturen schaltet sich eine fossile Zusatzheizung zu. Für den Fahrer gibt es hier nichts zu tun, die werksseitige Temperatureinstellung wird mit dem Kunden abgesprochen. Fürs Cockpit kann der Fahrer nachjustieren, ein wenig wärmer oder kälter, grad wie es ihm beliebt.



Schnelle Achse
Schon auf den ersten Metern sind wir mit dem 12-Meter-EWay auf Du. Mit der richtigen Position zum Lenkrad, mit einer präzisen Lenkung, die ausgezeichnet zur Hand geht – und mit einem guten Beschleunigungsvermögen, das aus dem Stand nicht übertreibt. Ein elektrischer Zentralmotor (PSM) von BAE treibt mit maximal 195 Kilowatt und 2.134 Newtonmeter Drehmoment ohne Getriebe eine konventionelle Niederflur-Portalachse (AV 133 von ZF) an. Das nominelle Leistungsangebot erscheint nicht üppig, reicht aber im Fahrbetrieb so gut wie immer. Zumal unser Test-E-Way wegen seiner Vorführfunktion sogar Tempo 85 rennt, mit einer kürzeren Achsübersetzung hat er noch weitaus mehr Mumm. Geht man vom Fahrpedal, verzögert und rekuperiert der E-Way leicht – die Techniker haben hier das Schleppmoment eines Dieselmotors nachgebildet. Künftig, und das sollte man wissen, orientieren sich die Ebus-Strategen von Iveco-Bus bei ihren Antrieben um. Dann sollen PSM-Motoren von Siemens zum Einsatz kommen. Mit nominal zwar nur 160 Kilowatt Spitzenleistung, dafür aber mit deutlich mehr Drehmoment. Das 12-Meter-Format zieht verlässlich seine Bahn, auch auf welligen Fahrbahnen. An den Fahreigenschaften gibt es nichts zu deuteln. Klar, mit 270 kWh Batteriekapazität auf dem Dach (und 90 im Heck) verneigt sich der E-Way in schnellen Kurven, aber nicht zu viel, das kann auch der vielgelobte eCitaro nicht besser. Der nimmt aber grobe Fahrbahnen dank seiner adaptiven Dämpfer spürbar feinfühliger, hier gibt sich der E-Way ein wenig rustikal. Dennoch stellt der elegante E-Way seine Fahrgäste zufrieden  Sie sitzen gut und auskömmlich temperiert, sie werden auch nur dezent beschallt. Bis Tempo 60 ist der E-Way flüsterleise und klappert nur wenig. Erst bei 80 km/h wird er ab Fahrzeugmitte laut. Aber so schnell fährt ein Stadtbus nur selten.



Schlanker E-Midi für Downtown
Auf die flotte Optik des 12-Meter-Kollegen muss der kurze E-Way 9,5 verzichten. Mögen es die Midi-Proportionen sein, er sieht nicht gerade taufrisch aus. Schließlich baut Heuliez den handlichen Midi mit der Bezeichnung GX 137 seit mehr als zehn Jahren. Jetzt wurde er elektrifiziert, er geht auch bereits mit den neuesten Komponenten an den Start. Als da wären: Der neue verbrauchsgünstigere Siemens-Motor, dazu die neuen NMC-Batterien vom Typ ZEN 35 (von Forsee Power). Der Vorteil dieser Akku-Pakete: Diese jetzt kleineren Module werden parallel geschaltet, beim Ausfall eines davon gehen nur 35 kWh Kapazität flöten. Und wegen ihrer Parallelität wird der Austausch eines Moduls einfacher, er erfordert kein Anheben der Spannung. Bis zu 385 kWh wären möglich, aber so viel Batteriekapazität braucht unser E-Midi nicht. Er mag kein Alleskönner sein, dafür zielt er auf enge Innenstädte und knifflige Verkehrsverhältnisse. Mit 2,33 Meter Breite, 9,5 Meter Länge und nur 4,13 Meter Radstand ist er wieselflink. Und wenn man voll einschlägt, dreht der kleine E-Way fast auf der Stelle. Und beweist Nehmerqualitäten, wenn er bis zu 65 Passagiere packt. Die dürfen sich über einen sehr gelungenen Fahrgastraum freuen, der E-Way-Midi trägt seinen Nerz eben innen. Das Raumkonzept ist anspruchsvoll, die Aussichten durch die tiefe Verglasung prima. Auch wenn die französischen Kunststoff-Alu-Sitze kein Ausbund an Bequemlichkeit sind - die müssen ja auch nicht sein, der Kunde kann aus einer breiten Sitzpalette wählen.



Mischbereifung mit Supersingle
Der Midi rollt auf einem erwachsenen Fahrwerk, vorn mit üblichen Stadtbusreifen im 275/70er Format, die Antriebsachse wird etwas eigenwillig mit Supersingle-Reifen vom Typ 455/45 R 22,5 bestückt. Die ja in Frankreich recht gut funktionieren und die dort keiner in Frage stellt. Auf der Straße gibt es jedenfalls keine Einwände. Gewiss, der Geradeauslauf ist nicht so stoisch, und auf reparaturfälligen Stadtstraßen rollt der Midi recht steifbeinig ab. Dafür gibt sich der Midi mit seiner leichtgängigen Lenkung überaus wendig, nur ihre geringen Rückstellkräfte irritieren beim Umstieg. Der lange E-Way geht uns jedenfalls eindeutig besser zur Hand. An Leistung mangelt es dem 10,5-Tonner nicht. Der maximal 160 Kilowatt starke Siemens-Motor ist auch unter Teillast gut bei Kräften. Wer allerdings vom Fahrpedal geht, um zu segeln, wird mit einer starken Verzögerung überrascht. Ein Fall für Einpedal-Fahrer? Eher ein Fall für etwas Feinabstimmung, die eine gepflegte Fahrweise zum Ziel haben sollte. Auch beim Bremsen irritiert das Pedalgefühl. Auf den ersten Zentimetern nur wenig Verzögerung, dann wird es für den Fahrer schon knapp, so dass er letztendlich den Anker wirft.

Auf den Punkt
Die Harmonie, mit der das 12-Meter-Format überzeugt, ist dem kurzen E-Way noch fremd. Der Demobus gibt sich lässig französisch, klappert auch ein wenig im Gebälk und mit seinen pneumatischen Vordertüren. Wieso eigentlich? Wären elektrische Portale nicht artgerechter? Aber genug gekrittelt: Der vollformatige E-Way zeigt, wie es geht. Mit etwas Augenmerk und Liebe zum Detail wird auch der Midi besser, an seinen Genen hegen wir keine Zweifel.


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