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Lust aufs Reisen machen


Paul Blachnik, Geschäftsführer Wirtschaftskammer Österreich, Beförderungsgewerbe mit Personenkraftwagen.


Im Gespräch mit 1Bus: Paul Blachnik, Geschäftsführer Wirtschaftskammer Österreich, Beförderungsgewerbe mit Personenkraftwagen.

Lieber Herr Blachnik, vielen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen für dieses Gespräch! Die Coronakrise hat uns alle überrascht. Einerseits war es wichtig schnell zu handeln, andererseits müssen die wirtschaftlichen Folgen abgewogen werden, vorallem in Bezug auf die Gruppentouristik. Wie hat die WKO diese zwei Gesichtspunkte bisher miteinander vereint und wie würden Sie die derzeitige Lage der Branche zusammenfassen?

Welche Unterstützung gibt es seitens der WKO für die Reisebusunternehmen?


Die Busunternehmer sind es gewohnt, sich ständig neuen Herausforderungen stellen zu müssen. Egal ob es um überhöhte Einfahrtsgebühren in verschiedene Städte, bürokratische Hürden um mit einer Gruppe nach Slowenien oder gar nach Kroatien fahren zu können, EU-Fahrtenheft uvm. handelt. Die aktuelle Situation stellt eine neue Dimension dar und verblüfft selbst jene, die seit 50 Jahren im Geschäft sind. Dass 100% der Reisebusse in den Betriebshöfen standen und ein großer Teil gar ohne Kennzeichen, ist noch immer schwer zu realisieren. Aber wir müssen uns auch dieser Herausforderung stellen und haben bei der Regierung für eine Fortbestands-Lösung unserer Branche gekämpft. Am 16. Juni 2020 hat die Bundesregierung in Österreich entschieden, alle „Rettungsmaßnahmen" auf ein erweitertes und verlängerte Fixkostenzuschuss-Modell zu konzentrieren. Für die Busbranche wird es zu einer Erweiterung des Fixkostenzuschuss-Modells (= nicht rückzahlbare Zuschüsse) kommen. 

Zusätzlich sollen wichtige branchenspezifische Kosten von Busbetrieben als Fixkosten anerkannt werden. Die Höhe und Staffelung der Fixkostenzuschüsse sollen ebenfalls verbessert werden. Dieser Entscheidung der Bundesregierung gingen viele Wochen intensivster Verhandlungen mit der Politik voraus. Die mediale Berichterstattung über die Branche, hat gezeigt, wie dramatisch die Lage der Busunternehmer ist: unser Geschäft ist völlig weggebrochen und wir können auf eine Erholung im Reisegeschäft frühestens in der Saison 2021 hoffen. Vielen unserer politischen Gesprächspartner waren allerdings die Konsequenzen aus diesen Entwicklungen nicht klar: Denn die rund 800 betroffenen Gelegenheitsverkehrsunternehmer sind in der Schülerbeförderung, im Linienverkehr, im Schienenersatzverkehr, aber auch beim Transport von Flüchtlingen oder für das Bundesheer im Einsatz. Ohne Hilfe ist daher die Schulbusversorgung im Herbst 2020 und die Mobilität im ländlichen Raum massiv gefährdet! Die notwendigen Busse für Schienenersatzverkehre zur Aufrechterhaltung des Öffentlichen Verkehrsgibt es dann ebenfalls nicht mehr. All diese Fakten haben dazu beigetragen, dass Busunternehmern die Aufmerksamkeit als „besonders hart betroffene Branchen" bekommen haben.


Es scheint, als würde uns die aktuelle Situation noch länger begleiten – welche Maßnahmen sind daher derzeit in Planung und wären Ihrer Meinung nach auch langfristig sinnvoll, um den Gruppentourismus in solchen Zeiten so sicher und angenehm wie möglich, zu gestalten? Welche Hürdengibt es nach wie vor?

Das Ende der Reisebeschränkungen ist für uns natürlich ein wichtiges Signal, denn 90 Prozent des Umsatzes hängen von offenen Grenzen ab. Die Planbarkeit von grenzüberschreitenden Fahrten wird derzeit aber noch durch ein „unüberschaubares Chaos" an unterschiedlichen Abstands- und Maskenpflichten erschwert. Aber klar ist: Die erfolgten Grenzöffnungen sind positiv und markieren etwas Licht am Ende des Tunnels!

Hygiene-/Sicherheitsauflagen für Busreisen

In Österreich besteht in Reisebussen unverändert eine Maskenpflicht. Grundsätzlich ist jedoch die Belegung aller Plätze in einem Bus möglich. Diskussionen mit dem Gesundheitsministerium über Lockerungen der Maskenpflicht in Reisebussen finden fortlaufend statt. Die Entwicklung der Infektionszahlen in Österreich (aber auch in den Nachbarstaaten) prägen diese schwierigen Gespräche – zu welchem Zeitpunkt Lockerungen bei der Maskenpflicht tatsächlich umgesetzt werden können, kann unter diesen Rahmenbedingungen nur schwer prognostiziert werden.

Wie laufen Busreisen an?

Von den Busunternehmen ist jetzt sehr viel zusätzliches Engagement gefordert. Bei vielen Fahrgästen sind aktuell noch Ängste im Kopf vorhanden, die Busunternehmer müssen ihre Kunden überzeugen und wieder Lust auf das Reisen machen. Die Branche verkauft ja auch schlussendlich positive Emotionen. Aus den Rückmeldungen unserer Mitglieder wissen wir jedoch, dass trotz dieser harten Arbeit die Geschäfte sich auf max. 10-15% des Vorjahresniveaus bewegen.

Was bedeutet die aktuelle Situation für den Wintertourismus? Inwiefern wird sich dieser dieses Jahr verändern?

Aus Gründen der Planungssicherheit konzentrieren sich viele Angebote der Busunternehmen derzeit noch auf Inlandsfahrten. Die Nachfrage nach grenzüberschreitenden Fahrten ist seitens der Kunden bereits wieder gegeben. Die sich zum Teil täglich ändernden Ein- und Ausreisevorschriften und die völlig unterschiedlichen Entwicklungen bei den Infektionszahlen in Europa/Drittstaaten (inkl. der kurzfristigen Aktualisierung von Reisewarnungen durch die Bundesregierung) machen es den Busunternehmern jedoch sehr schwer, diese Reise-Bedürfnisse zu erfüllen. Eine seriöse Prognose für den Wintertourismus können wir – vor dem Hintergrund der sich täglich ändernden Epidemiologische Situation – aus heutiger Sicht noch nicht abgeben.


Wir danken recht herzlich für das Gespräch.


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